Stadtgeschichte
Pressath wird in einer Urkunde des Klosters Waldsassen aus dem Jahr 1244 erstmals genannt. Dabei ist die Siedlung deutlich älter, der aus dem Slawischen stammende Ortsname "Presat" bedeutet etwa "Umhegung", also eine Art Befestigung durch eine Hecke und verweist ins 8. bis 9. Jahrhundert. Dies wird auch durch Funde bei Ausgrabungen auf dem Eichelberg gestützt. In der Folgezeit kamen Bajuwaren von Süden, übernahmen aber - wie häufig in der Region - den slawischen Ortsnamen. Für eine Mittelpunktfunktion des Ortes spricht die große Ausdehnung der alten Pfarrei, die östlich bis Parkstein reichte.
Wohl seit dem Jahr 1119 im Besitz der Landgrafen von Leuchtenberg gelangte Pressath 1283 an das Herzogtum Bayern und bei der Landesteilung im Hausvertrag von Pavia von 1329 an die pfälzische Linie der Wittelsbacher, bei der es bis zum Dreißigjährigen Krieg verblieb.
In einem Herzogsurbar um 1300 wird Pressath als Sitz eines Unteramtes erwähnt und bestand damals aus 14 Huben, 10 Sölden, 13 Gärten, einem Pfarrsitz und einer Mühle. Dazu kamen noch weitere Höfe, die unter der Herrschaft von Adelsgeschlechtern waren, darunter die Wild von Wildenreuth, die lange Zeit das Patronatsrecht über die Pfarrkirche ausübten. Als 1369 Jakob Wild von Troschelhammer und 1417 Ulrich von Erlbeck ihre restlichen Besitzungen im Markt an den pfälzischen Kurfürsten verkauften, war der Ort vollständig in der Hand der Wittelsbacher. Jenseits der Haidenaab bestand im 14. Jahrhundert auf dem sogenannten Judenberg ein Hof des Adelsgeschlechtes der Wild, der aber im Lauf der frühen Neuzeit verlassen wurde.
Die Wittelsbacher förderten im Rahmen ihrer Urbanisierungspolitik auf dem Nordgau auch Pressath. 1317 erstmals in einer Urkunde als Markt genannt, erteilte der Kurfürst und spätere König Ruprecht 1398 dem Ort einen Wochenmarkt am Montag und das Marktrecht der Stadt Amberg. In dieser Urkunde wurde dem Markt auch die Erhebung zur Stadt in Aussicht gestellt, wenn er ummauert würde. Dazu kam es jedoch nicht. 1410 erfolgte durch seinen Nachfolger, Pfalzgraf Johann, die Verleihung zweier Jahrmärkte.
In der Umgebung von Pressath entstanden im Spätmittelalter am Lauf der Haidenaab zahlreiche Hammerwerke, die Anteil an der Entwicklung der Oberpfalz zum Eisenproduktionszentrum hatten. Darunter war auch der Sitz in Dießfurt, den das Nürnberger Hammerherrengeschlecht der Kreß längere Zeit innehatte. Insbesondere Sebald Kreß setzte sich für den Markt ein, sein Grabmal von 1495 und das seiner Ehefrau haben sich an der Außenmauer der Pfarrkirche erhalten. Südlich des Marktes entstanden noch im 15. Jahrhundert eine dem heiligen Stephan geweihte Kapelle und ein umliegender Friedhof. Dazu stiftete der Markt 1554 ein Spital in Pressath. Ein Mauerbau um den Markt erfolgte wohl erst im 16. Jahrhundert, wobei die Mauer eher der Gewehrverteidigung diente und nicht für größere Verteidigungsmaßnahmen ausgelegt war.
Mit dem pfälzischen Kurfürstentum hatte der Markt während der Reformation mehrfache Konfessionswechsel mitzumachen, allein zwischen 1556 und 1628 mussten die Pressather fünf Mal ihren Glauben zwischen Luthertum, Calvinismus und Katholizismus wechseln. Besonders verheerend wirkte sich der Dreißigjährige Krieg aus. Die Eroberung der Oberen Pfalz durch das Herzogtum Bayern und die Erzwingung des katholischen Glaubens ab 1623 standen hier am Anfang. Zehn Jahre später, am Pfingsttag 1633 wurde der durch die Bürgerschaft verteidigte Ort von schwedischen Truppen unter Oberst Rosa erstürmt und niedergebrannt. Dabei verloren 59 Pressather Bürger ihr Leben, darunter der Bürgermeister Matthäus Oberndorfer, der Richter Simon Schreyer und die sagenumwobene Posthalterstochter Agnes Raith. In den folgenden Jahren kam es zu schlimmen Pestwellen, bei denen etwa 700 Menschen im Ort verstarben, sodass am Ende des Krieges 1648 Pressath fast entvölkert war.
Die Erholung in den folgenden Jahrzehnten währte nur kurz, zahlreiche Brände zwischen 1676 und 1782, von denen die 1692 und 1759 besonders umfangreich waren, vernichteten den erarbeiteten Wohlstand. Der Brand 1692 war im Pfarrhof ausgebrochen, bei dem die Hälfte Pressaths ein Raub der Flammen wurde, nicht zuletzt, weil die meisten Bürger auf einer Flurprozession unterwegs waren. 1759 brannte der ganze Markt bis auf das Spital nieder. Das Feuer war außerhalb der Marktmauer in einer Scheune ausgekommen. Beim Wiederaufbau wurde die im Kern romanische und in der Zeit der Gotik erweiterte Kirche wiederum vergrößert und mit barocker Ausstattung versehen.
Nach den unsicheren Zeiten der Französischen Revolution, der Auflösung des Reiches und der Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte im nun deutlich vergrößerten und zum Königreich erhobenen Bayern eine Phase der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung ein, von der auch Pressath profitierte. 1836 wurde ein wöchentlicher Viehmarkt eingerichtet und die Einwohnerzahl stieg, sodass der Markt Pressath zu den größeren Kommunen in der Nordoberpfalz gehörte. Folgerichtig war die Erhebung zur Stadt am 20. Januar 1845 durch König Ludwig I. Der administrativ immer in Richtung Kemnath ausgerichtete Ort wurde im Zuge einer Verwaltungsreform 1840 mit seiner Umgebung dem Landgericht Eschenbach zugeordnet und damit nach Westen orientiert.
Zentral für die weitere Entwicklung Pressaths war der Bau der Eisenbahnlinie von Regensburg über Weiden nach Bayreuth durch das Tal der Haidenaab. Die Stadt wurde damit zum zentralen Bahnhaltepunkt für die nähere Umgebung und den westlichen Teil des Bezirksamts Eschenbach. Der zunehmende Verkehr brachte es jedoch mit sich, dass 1866 und 1888 die beiden noch erhaltenen Stadttore abgerissen wurden. Der im oberen Tor vermauert gewesene Wappenstein befindet sich heute im „Haus der Heimat“. 1904 band von Pressath ausgehend eine Lokalbahnstrecke die Städte Grafenwöhr und Eschenbach an die Eisenbahn an.
1936 wurde das alte Pressather Rathaus - ein für den Ort typischer großer Walmdachbau - durch ein neues Rathaus ersetzt. Der Zweite Weltkrieg führte für Pressath zu 82 gefallenen und weiteren 66 vermissten Soldaten. Bei der Eroberung des Städtchens durch die Amerikaner am 19. April 1945 starben drei Personen, einige Gebäude wurden zerstört.
Aufschwung brachten die Heimatvertriebenen in die Stadt, was zu mehreren Betriebsansiedlungen im Ort führte, der bisher vor allem von der Holzverarbeitung lebte.
Im Zuge der Gebietsreform der 1970er Jahre wurden in einer ersten Runde die östlich gelegenen Orte Friedersreuth und Pfaffenreuth eingemeindet. 1975 bildete sich die Verwaltungsgemeinschaft Pressath mit den weiteren Gemeinden Trabitz (hervorgegangen aus den Altgemeinden Feilersdorf, Pichlberg, Preißach und Weihersberg) und Schwarzenbach. 1978 schlossen sich noch die Gemeinden Riggau und Dießfurt sowie der Ort Hessenreuth der Stadt Pressath an.
Seit den 1980er Jahren wurden mehrere Gewerbe- und Industriegebiete ausgewiesen, der Bau von Ortsumgehungen im Westen und Norden führte zur Verbesserung der Infrastruktur, die Altstadtsanierung vitalisierte den Stadtkern und verbesserte die Wohnqualität im Stadtzentrum.
Bernhard Fuchs
Wappenbeschreibung & -geschichte: Link zum Haus der Bayrischen Geschichte