Grußwort

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste und Besucher – herzlich willkommen auf unserer Website!

Seit 01. Mai bin ich nun offiziell Bürgermeister der Stadt Pressath, habe das Steuer übernommen. Das Steuer der Stadt Pressath, welches ihr mir am 15. März 2020 anvertraut habt. 61 Stimmen Mehrheit, klingt nicht so viel, und ist für mich daher Ansporn, nicht es allen recht zu machen, sondern dafür, mehr Menschen zu überzeugen, dass es die richtige Wahl war. Meine Vereidigung war am 04. Mai 2020. Vieles geht einem da durch den Kopf. Es ist nicht damit getan an diesem Tag nur einen Treueeid abzuleisten, sondern in dieser Situation wird einem bewusst, man schwört auf die Bayrische Verfassung und auf das Grundgesetz und damit auch auf die Ideale und Rechte, die in diesen Gesetzen verankert sind. Der 04. Mai, war auch der Vorabend einer Bewegung, die Europa und die Welt verändert hat. Die Ideale von damals sind bekannt: Liberté – Egalité - Fraternité. Auf diesen Idealen fußt auch unsere Verfassung.Heute verändert ein unsichtbarer Virus unsere Heimat, Europa und die Welt. Dieser Virus wird auch unser gesellschaftliches Zusammenleben verändern, deshalb ist es mehr denn je wichtig, sich die Ideale von damals wieder in Erinnerung zu rufen.

Liberté – Freiheit
Corona hat unsere Freiheit eingeschränkt. Schätzen wir unsere freiheitlichen Rechte noch, die uns unser Grundgesetz garantiert? Bedeutet Freiheit für uns nur, wieder für 25,00 € nach Male fliegen zu können. Wenn heute Menschen ihre Verschwörungstheorien ausleben können, dann eben auch, weil Ihnen unser Staat auch jetzt, in dieser Zeit, diese Freiheit ermöglicht. Freiheit bedeutet aber ebenso, die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und Freiheit endet da, wenn Sie für Mitmenschen zur Gefahr wird. Passen wir auch weiterhin aufeinander auf, auch wenn es manchmal schwer fällt. Wir schränken derzeit unsere Freiheit ein, nicht weil wir vom Staat gezwungen werden, sondern weil wir Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen haben.

Egalité – Gleichheit
Vor Gott sind alle Menschen gleich, so hieß es damals. Nun, vor Corona sind sie es scheinbar auch – gleich eben.
Arm oder Reich – Frau oder Mann – Jude, Moslem, Christ.
Corona kennt keine gesellschaftlichen oder ethnischen Unterschiede. Gleichheit heißt nicht, die Menschen, die Gesellschaft „gleich zu schalten“. Das hatten wir schon mal. Gleichheit bedeutet, den Menschen die gleichen Rechte zuzugestehen und fordert nichts weniger als Verständnis und Toleranz seinen Mitmenschen gegenüber. Es gibt derzeit viele Menschen, die sich wieder für andere einsetzen, und genau dieses Verständnis aufbringen. Ihnen gehört unsere Achtung und unser Dank.

Fraternité – Brüderlichkeit
Ich würde diesen Begriff heute durch Humanité – Menschlichkeit ersetzen.
In der jetzigen Zeit fehlen uns diese Zeichen der Menschlichkeit. Das Händeschütteln – die Umarmungen – die Besuche bei Freunden, bei Großeltern und noch vieles mehr. Alles das, was ich persönlich momentan am meisten vermisse.

Corona hat uns Angst gemacht, im Großen in der Welt, in allen Staaten und im Kleinen, in unseren Gemeinden, in unseren Familien.
Uns wurden jetzt aber auch Wege aufgezeigt, die unser Miteinander auf eine andere Basis stellen könnten.
Sicher, ohne Frage, die wirtschaftliche Erholung, die finanziellen Erfolge sind für unsere Gesellschaft überlebenswichtig. Dies ist auch für unsere Heimat entscheidend. Ebenso kann es jetzt aber auch eine Chance sein, sich in dieser Corona-Zeit Gedanken über unsere Gesellschaft zu machen. Das Grundgesetz und die Bayerische Verfassung geben uns gute Regeln und hohe Ideale für das gesellschaftliche Zusammenleben vor. Es reicht aber bei weitem nicht aus, wenn nur Politiker, ob als Minister oder als einfache Bürgermeister und Stadträte darauf einen Eid leisten. Staat und Gesellschaft müssen gelebt werden, von uns allen.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit – bleibt gesund und ich freue mich auf die noch ausstehenden vielen Begegnungen mit Euch allen.

Euer
Bernhard Stangl
1.Bürgermeister